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5. Fakultätsabend "Wohnzimmerkonzert"

Angesagt war am 26.06.2019 ein Wohnzimmerkonzert in der Villa Marie Antoinette am Zittauer Promenadenring. Bericht von Jos Tomlow

Angesagt war am 26.06.2019 ein Wohnzimmerkonzert in der Villa Marie Antoinette am Zittauer Promenadenring. Die Idee zur originellen Kombination von Musik- und Lesekultur ging aus vom jungen Kollegen für Marketing in der Fakultät W, Sebastian Zips. Er ist begeisterter Musikwissenschaftler mit Dissertation zu den Violoncellosonaten des Antonio Vivaldi (2005, Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt).

Inmitten der Privatbiblibliothek des Bautechnikgeschichtlers Jos Tomlow wurden vor rund 20 Studenten und Kollegen dem Cello durch Sebastian Zips anspruchsvollen Stücke entlockt, wie  Vivaldis Cellosonate B Dur, Sätze Largo und Allegro, Bachs G Dur Suite, daraus Sarabande, Menuett I & II und Gigue, Mozarts Andante A Dur, Mendelssohns schönes „Lied ohne Worte“ und Händels Largo aus der Oper Xerxes. Kurze Erläuterungen wiesen auf Interessantes hin, etwa dass der zweite Name von Mendelssohn-Bartholdy zurück ging auf die Beifügung eines „christlichen“ Namens an den jüdischen Familiennamen.
 

In Wechsel damit wurden Schätze aus den 5.400 Büchern erläutert. Dieses Mal kamen wieder Themen zur Sprache, die für Tomlows Forschung eine Rolle spielen. Farbe erweist sich historisch als äußerst schwieriger Aspekt der architektonischen Dekoration. Viele alte Bücher zeigen dazu nur Verblasstes. Die Publikation „Ein Wohnhaus“ von Bruno Taut (1927), zeigt Originalfarben durch einzelne Lackstreifen. Und Le Corbusier wies mit 60 normierten Farben für die Tapete „Salubra“ in Ocker- und Grautöne sowie in Abstufungen von den Hauptfarben, wie man Harmonie in Vielfalt bei der Farbgebung einhalten kann. Eine Besonderheit ist „Manuel du Tourneur“ (Bergeron, 1796), ein Handbuch für Holzdrehen. Im Bildteil sind hier in handkolorierten Stichen Holzarten von der Rinde bis zum Kernholz nuancenreich dargestellt.

Die problematische Literatur der Nazi-Zeit, als Quelle für das Buch „Das Grenzlandtheater in Zittau 1934-1936“ (mit Recherchen durch Sabine Spitzner-Schmieder, 2015), wurde illustriert mit „Kunst und Rasse“ von Paul Schultze-Naumburg aus 1935. Das Buch sucht die makellose Bilderwelt der Renaissance als Beweis dafür herbei zu führen, dass "Behinderten" und "nicht-arischen Rassen" auch äußerlich „unschön“ seien und dadurch "minderwertig". Eine Anhäufung von schrecklichen Behauptungen, welche zur Vorbereitung für die Wanderausstellung „Entartete Kunst“ dienten, welche seit 1937 drei Millionen Besucher zählte und zur Diffamierung Moderner Kunst schlechthin führte. Gedanken, dass „die Autobahn“ vor dem Krieg ein exklusiv deutsches Thema sei, wurde mit dem Buch „Budujme stát pro 40,000.000 lidí“ des modernen Schuhfabrikanten J.A. Baťa schon 1937 widersprochen. „Lassen Sie uns einen Staat für 40 Millionen Menschen bauen“ war das Motto für ein Autobahn-Projekt, welches die junge Tschechisch-Slowakische Republik verbinden sollte von Ost bis West (1937).

Auf die Frage von Kollegen Erik Hahn, was das älteste Werk war, wurde ein Pergament gebundenes Werk aus 1564 vorgezeigt. Eine Euklid-Ausgabe mit Hozschnitten von Cosimo Bartoli “Del modo di misurare secondo le vere regelo d'Euclide ...“ aus Venedig. Und das liebste Werk? „Darstellung einer neuen äußerst wenig Holz erfordernden und höchstfeuersicheren Bauart“ von Wilhelm Tappe, 1818-1823 in Heftchen erschienen. Der westfälische Zeichenlehrer und Kreisarchitekt, verwendete für seine architektonischen Visionen die Theorie der Umkehrung der Kettenlinie, lange bevor Antoni Gaudí mit einem riesigen Hängemodell die Kirche der Colonia Güell entwarf. Tappe zeichnete spitze Rundhäuser aus Lehmziegeln mit Strohdach, welche er handkoloriert publizierte. Sie sehen den bekannten Gaudí-Türmen sehr ähnlich.

Bei einem gemeinsamen Abendessen in der Gaststätte Kultuhr klang der schöne Abend aus.


Kontakt

Prof. Dr.-Ing. Jos Tomlow

j.tomlow(at)hszg.de

Fakultät Wirtschaftswissenschaften und Wirtschaftsingenieurwesen
Standort Zittau
Schliebenstraße 21
 

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